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Wirtschaftskonferenz in Sibirien
Am 17 Februar fand in Nowosibirsk die Konferenz „Russisch-deutsche wirtschaftliche Zusammenarbeit in Sibirien“ statt, an der mehr als 70 Unternehmer und Absolventen deutscher Programme aus Nowosibirsk, Irkutsk, Krasnojarsk, Tomsk, Kemerowo, Barnaul, Omsk und anderen Staedten Sibiriens teilgenommen haben.
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In letzter Zeit wird im Fernsehen fortwaehrend von Krise gesprochen. Von diesem Wort sind auch die Schlagzeilen in den Zeitungen und im Internet durchwoben. Selbst in oeffentlichen Verkehrsmitteln ist dies ein Grund zur Diskussion und auch eine Moeglichkeit seine Reisezeit zu verkuerzen. Ob die Teilnehmer der Konferenz „Russisch-deutsche wirtschaftliche Zusammenarbeit in Sibirien“, welche aus verschiedenen Staedten des gesamten Sibirischen Foederalen Bezirks nach Nowosibirsk gekommen sind (und welche mehr Zeit auf Reise als auf der Veranstaltung selbst verbracht haben) dieses Thema mit ihren Mitreisenden in den Flugzeugen und Zuegen besprochen haben, bleibt offen.
Auf der Konferenz zumindest war dieses Thema von erstrangiger Bedeutung. Selbst auf das Programm der Konferenz hatte die Krise Auswirkungen. Zuerst wollte man die Veranstaltung Fragen der Zusammenarbeit und Arbeitsvermittlung fuer Absolventen deutscher Programme bei russisch-deutschen Unternehmen in Sibirien widmen, denn zu der Zeit als das Portal Regionen.Ru online ging, ueberragte die Anfrage nach russischen Spezialisten, die die deutsche Sprache beherrschen, die Anzahl der Bewerber. Besonders gefragt waren Technikspezialisten.
Derzeit verhalten sich die deutschen Arbeitgeber verhaltener. Gleichwohl, wie auch Artem Lyssenko, Projektleiter des Alumninetzwerkes „hallo-deutschland“ anmerkte, die Tatsche, dass die deutschen Unternehmen den russischen Markt noch nicht verlassen haben, Hoffnungen weckt. Die Konferenz begann mit der Diskussion ueber Herausforderungen und Perspektiven der geschaeftlichen Zusammenarbeit Russlands und Deutschlands im Schein der Weltwirtschaftskrise. Beim Runden Tisch im Gebaeude des Deutschen Generalkonsulats haben die Alumni ihre Meinungen ausgetauscht. Dort wurden sie, im Namen des Generalkonsuls Michael Kanzler, von Klaus Ihme, dem Leiter der Administration begruesst.
Die einzige deutsche Teilnehmerin am Runden Tisch, die Ildiko Hufendiek, DAAD Sprachassistentin in Nowosibirsk erklaerte, dass das Interesse ihrer deutschen Kollegen an Russland weiterhin gross sei und sie sich nicht beeilen ihr Kapital aus Russland zurueck zu ziehen. Sie unternehmen keine grossen Schritte und bevorzugen eine Beobachterposition, da sie bereits viel Kraft und Mittel investiert haben. Die Arbeitgeber waren einstweilen ab. Es ist an der Zeit, sich selbst zu mobilisieren, wenn man in russisch-deutschen Unternehmen in Sibirien arbeiten moechte und aufmerksam zu verfolgen, welche Fachkraefte in diesem Arbeitsfeld grade benoetigt werden. So lautet das Ergebnis des Runden Tisches.
Die Teilnehmer sind sich einig darueber, dass die Krise nicht nur Probleme gebracht hat, sondern auch Voraussetzungen fuer eine Weiterentwicklung. Dabei sind verschiedene deutsche Stipendienprogramme nuetzlich. Die an dieser Stelle fuer alle Teilnehmer gleichermassen wichtige Frage: „Werden in dieser erschwerten Situation die deutschen Austauschprogramme im kommenden Jahr in vollem Umfang weitergefoerdert?“ blieb aber unbeantwortet. Dank verschiedener Stipendien waren viele gluecklicherweise bereits mehrmals in Deutschland, manch einer hat auch momentan bereits ein Stipendium „in der Tasche“ und kann demnaechst erneut zum Studienaufenthalt oder zur praxisorientierten Weiterbildung nach Deutschland fahren. Die uebrigen setzen die Informationen und Fertigkeiten, die sie in Deutschland erhalten haben, zu Hause ein. Die Teilnehmer der Konferenz waren in ihren Regionen bereits im Bereich der Wirtschaft, der hoeheren Bildung und der Verwaltung taetig.
Nach dem Mittagessen sind Experten zur Diskussion ueber die russisch-deutsche wirtschaftliche Zusammenarbeit in Sibirien hinzugekommen. Als erster Sprach Juri Sorokin, der Leiter der Aussenstelle der Russisch-Deutschen Aussenhandelskammer in Nowosibirsk. In seinem Vortrag sagte er, dass auf 4500 Vertretungen deutscher Unternehmen in Russland um die 100 im Sibirisch Foederalen Bezirk liegen (50 davon allein in Nowosibirsk). Von diesen sind aber lediglich 8% gewerblich, die restlichen beschaeftigen sich mit dem Vertrieb der Produktion. Herrn Sorokins Meinung nach wird die Zahl der deutschen Firmen in Sibirien mit der Zeit ansteigen. Entsprechend einer Umfrage der Russisch-Deutschen Aussenhandelskammer plant ueber die Haelfte der Mitglieder der Kammer eine Ausdehnung. 40% planen diese auf neue Regionen. In diesem Plan ist Sibirien durch sein wirtschaftliches Potenzial, seine Rohstoffvorkommen sowie der Unterstuetzung der oertlichen Behoerden anziehend. Zudem sind die Mieten, die Ausstattung und qualifizierten Arbeitskraefte guenstiger als in der Hauptstadt.
Ueber das Potenzial Sibiriens fuer deutsche Unternehmen sprach auch der Autor des Buches „Sibiriens Image“, der Direktor der Stiftung fuer sozio-prognostische Forschungen „Trendy“ der Stadt Nowosibirsk Wladimir Suprun. Unter Sibirien versteht er, wie auch viele Auslaender „einen grossen Kontinent vom Ural bis hin zum Stillen Ozean“. Hierbei wird das Image dieses Territoriums in unterschiedlichen Ebenen vorgestellt. Herr Suprun stellte vier von diesen heraus. Erstens das historische Image, welches mit dem Kriegsgefolge Jermaks, verbannten Dekabristen, Goldsuchern und Zwangsarbeitern verbunden wird. Zweitens das geografische Image, welches mit der Vorstellung unendlicher Weiten, unaufhoerlicher bitterkalter Winter, der Taiga mit Baeren und dem Baikalsee spielt. Das Industrielle Image ist verbunden mit unendlichem Vorrat der Rohstoffe Oel, Gas, Kohle usw. Hier Treffen Zechen auf die Transsibirische Eisenbahn. In letzter Zeit nimmt aber die Wahrnehmung Sibiriens als moderner Region zu, was mit dem Ausbau der Wissenschaft, der Perspektive der Produktion hochtechnologischer Produkte und sich bewaehrenden Universitaeten verbunden ist. Gleichzeitig ist dieses Image nicht mit allen Regionen verbunden, sondern mit Tomsk und Akademgorodok in Nowosibirsk.
Im Zusammenhang mit solch einer vielfaeltigen Auffassung ruft Wladimir Suprun die Leiter der Firmen, die an der Ausweitung der russisch-deutschen Zusammenarbeit in Sibirien interessiert sind, zu einer umfassenden Begutachtung der Situation, einer fortwaehrenden Analyse und Prognose der Entwicklung der Geschehnisse in einer sich schnell aendernden Welt auf.
Joachim Heinz, der Leiter des deutsch-russischen Consult-Centers in Irkutsk, der die Vorgaenge nicht nur in Sibirien, sondern in der ganzen Welt beobachtet, hat seinen Ausweg aus der Krise vorgestellt. Der Spezialist mit 13 Jahren Dienstzeit in Russland, versucht die Idee der Prioritaet der sozialen Verantwortung vor die Idee des Nutzens zu stellen. Eben in einer falschen Anordnung der Prioritaeten sieht er den Grund des Konflikts der die Weltwirtschaftskrise hervorgebracht hat.
Nach der Konferenz waren alle Teilnehmer zum Empfang im Deutschen Generalkonsulat in Nowosibirsk geladen. Anlass war die Eroeffnung der alljaehrlichen Ausstellung „StrojSib“, bei der sich auch deutsche Unternehmen vorgestellt haben. Wenn man beruecksichtigt, dass das Wort „Krise“ im altgriechischen die Bedeutung von „Umbruch, Wahl des Weges“ hat, dann darf man hoffen, dass die deutschen Unternehmer den Weg der russisch-deutschen Zusammenarbeit waehlen und ihre Wege sie nach Sibirien fuehren.
Ewgenija Sajko, Teilnehmerin der Konferenz, Stipendiatin des Deutsch-Russischen Forums Uebersetzung Anna Bielok
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