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Medienforum 2008: Onlinemedien im Fokus

Mit der Entwicklung der modernen Technik und der Ausdehnung des Internets werden auf der ganzen Welt neue Fragen und Probleme aufgeworfen. Zu dem Problembereich gehoeren auch die Onlinemedien, die zu einer neuen Plattform fuer Journalisten geworden ist. Hier sind Fragen nach den rechtlichen Rahmenbedingungen und dem journalistischen Nutzungspotential noch im Prozess der Klaerung. Und zweifelsohne ist es besser, gemeinsam die Knoten des internationalen virtuellen Netzes zu entwirren und die Probleme zu loesen. Zu einer solchen Schlussfolgerung kamen auch die Veranstalter des Medienforums 2008, das dem Thema «Die Rolle der Onlinemedien in Deutschland und Russland» gewidmet war.

Mit dem Forum wurde Perm vom 20. bis zum 23. November zum Treffpunkt von Fachleuten auf dem Gebiet der Massenmedien in Russland und Deutschland. 19 junge russische Journalisten und prominente Referenten aus Deutschland und Russland nahmen an dem Medienforum teil, das vom Deutsch-Russischen Forum mit Unterstuetzung des Auswaertigen Amtes, der Administration Perm und dem Institut fuer Zivilengagement bereits zum 5. Mal veranstaltet wurde. Das Medienforum richtete sich an junge russische Journalisten, die bereits Praxiserfahrungen bei einem Medienunternehmen in Deutschlands gesammelt haben und die deutsche Sprache beherrschen. Natuerlich sollten sie auch am Meinungsaustausch zwischen Russland und Deutschland interessiert sein. Fast alle Teilnehmer sind zudem Mitglieder des Alumninetzwerks «Hallo Deutschland!». Als Referenten waren zum Medienforum Journalisten, Redakteure, Juristen aus dem Bereich der Massenmedien und andere Fachleute geladen wie beispielsweise Hendrik Sittig, Projektleiter fuer Journalismus bei der Konrad-Adenauer-Stiftung Moskau, Ajder Muschdabaew, Leiter der Internetprojekte beim Moskowski Komsomolez und Domenika Ahlrichs, Chefredakteurin der Netzeitung.
Von den Experten wurden die Besonderheiten der Onlinemedien angefuehrt, die wie eine Absage an das klassische Modell der Massenmedien erscheinen, in dem es nur einen «Sender» gibt. Im Internet dagegen entscheidet jeder Einzelne selbst, was und wie man schreiben muss. Natuerlich gibt es Ausnahmen in Form von Internetversionen der klassischen Massenmedien. In diesem Zusammenhang aber entsteht noch eine weitere ungeklaerte Frage: Was gilt als Onlinemedium? Es sieht so aus, als ob jede Einzelperson Informationen aller Art im Internet verbreiten kann. Das heisst, er wird tatsaechlich zum Journalisten.

Dr. Peter Schiwy kommentiert die Entwicklung des Internets in Deutschland auf folgende Weise. Die Zahl der Internetnutzer habe sich in Deutschland im letzten Jahr um 3% auf 2,2 Millionen Menschen erhoeht. Das Internet spiele eine grosse Rolle in der Politik als Moeglichkeit der Rueckverbindung. Es werde sogar der Vorschlag besprochen, auf «Papier» zu verzichten und Gesetze im Internet zu veroeffentlichen. Der Einfluss auf die Konsumenten ist offensichtlich: 30% der Deutschen verzichten auf den Kauf von Waren, wenn sie eine negative Aeusserung ueber diese in einem Blog gelesen haben.
Wiktor Naumow merkte an, es gebe in Russland bis jetzt keine exakte Definition des Internets. Die Gesetzgebung der Russischen Foederation sei veraltet und auf die traditionellen Massenmedien orientiert, aber nicht auf dieses interaktive Medium. Jedoch noch bis zur globalen Ausdehnung des Internets wurde im Gesetz ueber die «Massenmedien» erwaehnt, dass unter Massenmedien unter anderem auch «andere Form der periodischen Verbreitung der Informationen» verstanden wird. Bis 2003 wurde das Internet in Russland nicht als Massenmedium angesehen.
Das Verstaendnis des Internets ist nicht eindeutig. Wenn man es als Massenmedium ansieht, wird die Frage noch komplizierter. Darueber diskutierten russische Journalisten und prominente Medienexperten, wie Johannes Vosswinkel, Korrespondent der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» in Moskau, Eider Mushdabaew, Leiter der Internetprojekte der Zeitung «Moskowski Komsomolets» und Anton Nosik, Chefredakteur des Portals bfm.ru und einer der bekanntesten russischen Blogger.
Am dritten Tag des Medienforums stand den Teilnehmern ein praktischer Teil bevor. Unter der Leitung Benjamin Albers, freier Journalist und Musikredakteur aus Muenchen, bereiteten sie Audioreportagen anhand des aufgezeichneten Materials zum Mediumforum. Anna Gapanowitsch aus Kaliningrad, eine der Teilnehmerinnen des Medienforums, teilte ihre Eindruecke mit. Der praktische Unterricht sei sehr aufschlussreich gewesen. Frueher war sie bereits mit dem Verfassen von Audiosendungen beschaeftigt, aber auf eine andere Weise. Es sei interessant gewesen, etwas Neues auszuprobieren. Ben Alber betonte, bei einer Audioreportage sei es wichtig, die Hauptsache herauszuarbeiten, fuer die kurze Zeit das Wichtigste mitzuteilen und dabei qualitativ hochwertig zu arbeiten. Dies seien wichtige Eigenschaften eines Journalisten. Im Praxisteil konnten die Teilnehmer genau das lernen.

Die Organisatoren zeigten sich zufrieden mit der Veranstaltung des Medienforums. Ihrer Meinung nach wurden die Hauptziele - die Aufnahme und Herstellung von neuen Kontakten zwischen deutschen und russischen Journalisten sowie die Weiterbildung des Nachwuchses - erreicht.
Susanne Wunderlich, einer der Organisatoren des Medienforums, meinte, trotz kleiner Misstoene, die mit den sehr verschiedenen Interessen und Beduerfnissen der Teilnehmer verbunden seien, waere alles so verlaufen wie vorgesehen. Sie und die Teilnehmer bedankten sich bei der Administration Perm fuer die Gastfreundschaft und Unterstuetzung beim Medienforum 2008.
Olga Mischtschenko (Teilnehmerin des Forums)

Weitere Informationen ueber das Medienforum (Vortraege der Referenten etc.) erhalten Sie auf dem Blog des Forums www.medienforum.ru
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