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"Russlands Gedächtnis"
Die Journalistin und Historikerin Irina Scherbakowa von der Gesellschaft Memorial weiss aus Erfahrung, dass das Wort "Schülerwettbewerb" - sobald es ausgesprochen wird - große Langeweile hervorruft.
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Dabei betreut sie mit dem Eustory-Projekt der KörberStiftung seit vier Jahren einen Geschichtswettbewerb, dessen junge Teilnehmer oft lebendigere und aufschlussreichere historische Arbeiten zustande bringen als professionelle Historiker. Der Grund dafür ist die persönliche Beteiligung und die unbelastete Neugier, mit der Jugendliche sich der Geschichte ihrer Familie, ihrer Nachbarn oder ihres Viertels nähern.
Einer der Preisträger, Filip Abrjutin, berichtete am 22. Januar den über 200 Gästen in der Deutschen Botschaft, daß ihn zunächst der 1. Preis, ein Computer, zur Teilnahme am Wettbewerb bewegt habe. Dann aber seien die Erinnerungen an seine Oma, die aus Tschukotka stammte und ihm viel über ihr Leben erzählt hatte, wieder lebendig geworden, so dass er anfing, darüber zu schreiben. Im Ergebnis entstand ein persönliches Zeugnis, in dem sich das Schicksal einer ganzen kleinen nationalen Minderheit wiederspiegelte.
Arsenij Roginskij von Memorial, Alexander Ausan vom Institut "Gesellschaftsvertrag" und Markus Wehner von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung diskutierten in der anschließenden Gesprächsrunde den derzeitigen Umgang mit Geschichte in Russland. Angesichts der erneut erklingenden Forderung nach Patriotismus äußerten die Diskutanden ihre Zweifel, ob in Zukunft eine objektive Aufarbeitung der Sowjetzeit möglich oder gar erwünscht sein wird. Um so wichtiger ist es, Jugendliche durch selbständiges Forschen die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Bild von einem kleinen Ausschnitt der Geschichte Russlands machen zu können. "Vielleicht bringt der Wettbewerb keine Historiker hervor, sondern Russische Staatsbürger", so das hoffnungsvolle Abschlussplädoyer von Roginskij.
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