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Alumnitreffen in der Kirchengemeinde
Ein Workcamp von EineWelt Leipzig e.V., das vom 18.07. bis 06.08.2009 in Samara und Umgebung stattfand, bot den Anlass für das erste Alumnitreffen in einer Kirchengemeinde. Der Grund für diesen Veranstaltungsort – traditionell treffen sich die Alumni vorwiegend in Universitaeten – ist wahrscheinlich die Sommerpause, in der die Russischen Hochschulen wie leer gefegt sind. Nichtsdestotrotz organisierte „hallo deutschland!“ ein Treffen zwischen den deutschen Freiwilligen und interessierten russischen Alumni, um sich ueber soziale Arbeit in beiden Laendern auszutauschen.
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Schon zum 20. Mal reiste eine Gruppe junger Freiwilliger zwei Tage lang mit dem Zug von Leipzig nach Samara. Bereits vor der Oeffnung der zu Sowjetzeiten geschlossenen Stadt erkannte der EineWelt e.V. die Notwendigkeit, die sozialen Einrichtungen in und um die Wolgastadt nicht nur aus der Ferne sondern vor Ort aktiv zu unterstuetzen. Damals gehoerten die Freiwilligen zu den ersten auslaendischen Gaesten, die Samara bereisen durften.
Die Hilfe von EineWelt e.V. ist vielseitig. Sie liefern Medikamente oder andere Sachmittel nach Samara und packen auch direkt mit an in den oertlichen Sozialeinrichtungen. Die Hilfe ist ueberall willkommen. Ob Erntehilfe oder Reparaturarbeiten an den Datschen von Rentnern - zum Teil ehemalige Zwangsarbeiter – oder Renovierungen von sozialen Einrichtungen und der Aufbau von Spielgeraeten. Geholfen wird den sozial benachteiligten Gruppen.
Heute kann EineWelt e.V. auf ein ganzes Netzwerk in Samara zurueckgreifen. Seit 1995 gibt es dort sogar das russische Pendant „Jedinij Mir“. Mit weiteren Kooperationspartnern wurden verschiedenste deutsch-russische Projekte realisiert, die unter dem Motto „Freundschaftsbruecken“ weitergefuehrt werden. Beispielsweise kommen junge Walddorfschüler für ein Sozialpraktikum nach Samara und zwei deutsche Zivildienstleistende absolvieren hier jährlich ihren Dienst. Ausserdem findet jeden Sommer das Workcamp statt.
In dem Workcamp gab es neben den deutschen Teilnehmern auch engagierte russische Jugendliche. Und das ist das eigentlich Spannende laut Aussage einiger Deutscher. Sie verbrachten gemeinsam ihre Zeit, uebernachteten gemeinsam in der Kirchengemeinde und verrichteten gemeinsam gute, nützliche Dinge. Die Einsatzbereitschaft ist also in der russischen Bevoelkerung nicht weniger vorhanden und baut tatsaechlich Freundschaftsbruecken.
In diesem Jahr fanden die Reparaturarbeiten nicht nur in der Wolgastadt selbst statt. Nach dem einwoechigen Aufenthalt in der katholischen Kirchengemeinde, die selbst Ziel des Leipziger Einsatzwillens wurde, fuehrte die Reise weiter in die 200 km entfernte Stadt Kamijschla. Dort erhielt die Gruppe Zuwachs durch tatarische Jugendliche und auf einmal wurden die Brücken zwischen drei Kulturen geschlagen. Der Kontakt mit dem Islam ist nach Aussagen von Sebastian Hundt, dem Organisator des Workcamps, in den vorigen Jahren noch nicht so intensiv gelungen und wurde von den Teilnehmern voller Spannung erwartet.
Ein Novum bei diesem Workcamp war ebenso das Treffen mit den Alumni des russischen Alumni-Netzwerks „hallo deutschland!“. Die bunt gemischte Gruppe von 25 jungen Leuten tauschten sich nach einem ersten Kennenlernen ueber ihre Erfahrungen in der Freiwilligenarbeit in Deutschland und Russland aus. Passend zum Thema zivilgesellschaftliches Engagement erhielten die Teilnehmer von Caroline Babbe, Mitarbeiterin von „hallo deutschland!“, eine Einfuehrung in Projektmanagement und deutsche Projektfoerderungsprogramme. Bei der Diskussion um das Thema Zivilgesellschaftliches Engagement berichteten beide Seiten, dass ihr Engagement in der russischen Gesellschaft immer noch auf grosse Irritation stoesst. Dennoch kommt es im Gespraech zu anerkennenden Aeusserungen ueber das neu entdeckte Betaetigungsfeld des ehrenamtlichen Engagements. Allgemein wissen aber nur wenige Samarer von den Moeglichkeiten, sich in ihrer Stadt zu engagieren.
Erstaunlich gross war die Anzahl maennlicher Jugendlicher unter den russischen Workcampteilnehmern. Waehrend der Andere Dienst im Ausland für die jungen deutschen Maenner keine Besonderheit mehr ist, gibt es diese Moeglichkeit in Russland kaum. In Deutschland wird der Zivildienst in sozialen und kulturellen Einrichtungen eine anerkannte und geschätzte Alternative zum Wehrdienst. In Russland wiederum ist diese Moeglichkeit kaum gegeben bzw. nur zu sehr schlechten Bedingungen. Trotzdem scheint der Einsatz in sozialen Einrichtungen, wie ihn Jedinij Mir in Samara auf unterschiedliche Weise organisiert, fuer die russischen Jugendlichen nicht so ungewoehnlich zu sein. Ein Grossteil der Teilnehmer meinte, dass sie durch die helfende Arbeit viel fuer sich selbst tun und die Arbeit ihnen die Moeglichkeit gebe, Gleichgesinnte zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Das gemeinsame Alumnitreffen bildete den Auftakt des Workcamps. Im Anschluss erwarteten die Freiwilligen der Aufbau eines behindertengerechten Spielplatzes und die Unterstuetzung eines Begegnungszentrums für aeltere Menschen in Kamijschla. Auch wenn für die Teilnehmer die soziale Arbeit an erster Stelle stand, bot ihnen die Wolgaregion natuerlich ausreichend Moeglichkeiten, sich neben der Arbeit zu erholen, auszutauschen und vielleicht auch gemeinsame Projekte zu planen.
Caroline Babbe Alumni-Netzwerk "hallo deutschland!"
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