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Jugendforum in Ufa
„So, und jetzt stellt mir einfach Fragen, was interessiert Euch?“ Die jungen Zuschauer waren einigermassen verblüfft. Es kommt nicht alle Tage vor, dass der Deutsche Botschafter Dr. Hans-Friedrich von Ploetz sich bereit erklärt, die Neugierde junger Baschkiren zu befriedigen. Doch auf der Eröffnung des Jugendforums, dass im Rahmen der Deutschen Tage in Baschkortostan vom 17. – 18. Mai im Gostinij Dvor in Ufa stattfand, wurde diese Gelegenheit sofort ergriffen.
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„Wie haben Sie sich in Ihrer Jugend politisch engagiert?“ wollte ein junger Mann wissen und traf damit sogleich das Thema der von „Hallo Deutschland“ organisierten Diskussionsveranstaltung - „..aus Patriotismus oder staatsbürgerlicher Verantwortung? Zur Motivation für politisches Engagement der jungen Generation in Deutschland und Baschkortostan“.
Nach der Eröffnung des Jugendforums durch den deutschen Botschafter und einer ausführlichen Präsentation deutscher und baschkirischer Jugendorganisationen diskutierten Michael Link (parlamentarischer Berater für Internationale Politik der FDP-Bundesfraktion, 1989 – 1995 stellv. Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen und Mitglied im Landesvorstand der FDP Baden-Württemberg), Boris Krumnow (wissenschaftlicher Mitarbeiter von PDS Landtagsabgeordneten im Sächsischen Landtag) und Vitalij Piliptschuk (1. Sekretär des „Grazhdanskij Komitet“ Baschkortostans) über die Grundlagen der Jugendpolitik in Deutschland und Baschkortostan.
Dabei kam auch das Komitee für Jugend der Republik Baschkortostans zu Wort und kündigte die Gründung eines Jugendparlaments in Ufa an. Michael Link und Boris Krumnow erzählten detailliert von ihrem politischen Werdegang, erläuterten ihr Verhältnis zur Politik und vermittelten den Zuhöreren einen lebendigen Eindruck davon, dass man sich trotz kontroverser Meinungen persönlich bestens verstehen und miteinander diskutieren kann.
Michael Link fasste die Bedeutung von Jugendpoltik folgendermassen zusammen:
Jugendengagement bedeutet Vertretung eigener Interessen: Wer nicht selbst Politik macht, mit dem wird Politik gemacht.
Jugendengagement bedeutet Verantwortungsübernahme für mehr als nur für die eigene Person; es bedeutet freiwillige Verantwortungsübernahme für Teile der Gesellschaft.
Jugendengagement bedeutet etwas anderes und gleichzeitig auch mehr als Patriotismus. Es bedeutet den Schritt heraus aus der Masse und das Denken mit dem eigenen Kopf.
Freiwilliges Jugendengagement zu fördern und die Schaffung eines geeigneten Umfeldes zur Erziehung freier Staatsbürger ist Kernaufgabe des Staates. Dazu gehört auch die staatliche Förderung für politsche und nichtpolitische Jugendorganisationen, ungeachtet ihrer Regierungsnähe oder -ferne (so wie in Deutschland seit langem im Bundesjugendring verwirklicht).
Am zweiten Tag des Jugendforums stand nicht die Politik, sondern multikulturelles Leben im Vordergrund. Cordula Gdaniec vom Institut für Ethnologie der Humboldt-Universität in Berlin hielt einen Vortrag zum Thema „Jugendliche in Berlin: Multikulturelle Strategien und Alltagspraxis“.
Sie präsentierte Berlin nicht nur als eine tolerante, weltoffene Stadt, sondern gab einen Einblick in die problematische Situation Jugendlicher, die aus anderen Ländern in die Bundesrepublik eingewandert sind. Es gilt, den Trend der immer weiter voranschreitenden ethnischen Isolierung der Jugendlichen aufzuhalten und durch Sprachunterricht und Jugendarbeit die Integration zu fördern. Dabei ging es unter anderem um die starke Diskrepanz zwischen den offiziellen Strategien der Jugendpolitik, diese Probleme zu bewältigen, und dem konkreten Alltag der Jugendlichen.
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